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    Löschen statt lesen, die absurden Folgen des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages

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    Es drängen sich viele, auch unpassende Vergleiche für die vermutlich größte absichtliche Löschaktion von Inhalten im "deutschen" Internet auf. Darum lasse ich sie mal weg und bleibe bei den Tatsachen: Aufgrund der Verbotsliste des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags und im Vorgriff auf den Abschluss der Dreistufentests im Sommer 2010 löschen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten derzeit was die die Delete-Tasten hergeben. Wie die ARD heute in einer Pressemitteilung mitteilte, sind seit einem Jahr mehr als 100.000 Dokumente aus den ARD-Onlineangeboten genommen worden. Der NDR hat demnach in den vergangenen Wochen mehr als die Hälfte seines Online-Angebotes gelöscht!!! Und nicht nur das: Aktuelle Video- oder Audioinhalte dürfen nur eine begrenzte Zeit online verfügbar gemacht werden.

    Man könnte das alles auch eine der größten Volksverdummungsaktionen nennen, die es je gegeben - initiert durch deutsche Verleger, die das Internet nicht verstehen wollen oder können. Stattdessen versuchen sie mit allen Mitteln ihr in Teilen überholtes Geschäftsmodell zu schützen und finden leider in der Politik willige Vollstrecker ihrer Ideen.

    Die Folge ist eben dieser 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der dazu führt, dass Inhalte, die mit den Gebühren der Allgemeinheit produziert wurden "depubliziert" werden müssen oder nur für kurze Zeit im Netz stehen. Dass damit zwei wesentliche Vorteile des Internets, nämlich die Archivfunktion und die Möglichkeit der zeitsouveränen Nutzung außer Kraft gesetzt werden, scheint von den Initiatoren niemand zu stören bzw. wird bewußt in Kauf genommen. 

    Ich habe wirklich Schwierigkeiten mit Leuten, die dafür sorgen, das Inhalte = Informationen = Wissen aufgrund eigener, wirtschaftlicher Interessen gelöscht werden müssen. Auch weil, und das kommt noch hinzu, leider der private Rundfunk oder die Verlage nicht in der Lage sind (aus welchen Gründen auch immer), adäquaten Ersatz zu schaffen. Noch besteht Konsens darüber, dass wir uns einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkt als Gesellschaft leisten und darum ist es ein Fehler, ihn auf diese Art und Weise am Publizieren zu hindern. (Foto: Flickr)

     

    • 21 April 2010
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    about 2 years ago Stefan Seiz responded:
    Stefan Seiz
    Könnte man da als GEZ Zahler nicht Klage einreichen, weil bereits bezahlte Inhalte plötzlich verschwinden etc.?
    about 2 years ago Markus Trapp responded:
    Markus Trapp
    So absolut unglaublich das Ganze.
    about 2 years ago Elmar Thiel responded:
    Elmar Thiel
    "Noch besteht Konsens darüber, dass wir uns einen öffentlich-rechtlichen Rundfunkt als Gesellschaft leisten (...)"

    Genau das ist der entscheidende Punkt: "Rundfunk". Wir haben keine öffentlich-rechtlichen Zeitungen, wir haben keine öffentlich-rechlichen Frittenbuden und ob - oder besser: in welchem Umfang - wir ein öffentlich-rechtliches Internetangebot brauchen, darüber besteht eben KEIN Konsens.

    Über das Problem, dass privaten Angeboten mit öffentlichen Geldern die wirtschaftliche Grundlage entzogen oder zumindest streitig gemacht wird, kann man doch nicht so einfach hinweg gehen.

    Ein plakatives, schon etwas älteres Beispiel: In Hamburg hab es Anfang der Neunziger den privaten Radiosender "OK Radio", der sich an junge Leute richtete, und das recht erfolgreich. Ein paar Jahre danach setzte der NDR mit N-Joy Radio ein gebührenfinanziertes, werbefreies Programm dagegen; wenig später war OK Radio am Ende. (http://de.wikipedia.org/wiki/OK_Radio)

    Dass Verleger / Unternehmer ihr Geschäftsmodell schützen wollen, halte ich für abolut legitim und die Argumentation dieses Artikels für ein wenig zu eng gefasst.

    about 2 years ago (Facebook) responded:
    Elmar, Ok-Radio ist gescheitert, weil der Sender schrecklich dämlich war.
    about 2 years ago (Facebook) responded:
    Es ist das eine wenn private Wirtschaft eine Grundlage entzogen bekommt und eine ganz andere wenn eben die gleiche Wirtschaft Inhalte vernichten lässt nur um dann Inhaltslosigkeit dem entgegen zu stellen.

    Oder will mir jemand erklären, dass es sinnvoll ist Quarks & Co zu löschen und das mit Deutschland sucht die super Deppen zu kompensieren? Dem möge ich kurz den Weg zeigen.... DAAA ist der Ausgang.

    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk heist nur deshalb so, weil es zu Gründungszeit kein Internet gegeben hat. Auch wenn nicht immer nur gutes aus ARD und der gleiche kommt, kommt aber halt auch gutes. Und das kann der private Sektor zum aktuellen Zeitpunkt in keiner Weise von sich behaupten.

    about 2 years ago Dominic Kennedy liked this post.
    about 2 years ago tvterrier (Twitter) responded:
    Missing-user-35
    Was bitte nützt es Verlegern, wenn ein "Tatort" nach sieben Tagen aus der Mediathek verschwinden muss? Ein "Tatort", den ich mit meinen Gebühren finanziert habe und der einen Verleger überhaupt nichts angeht.

    Ich hoffe wirklich, dass die ganze Bande bald pleite ist. Ich bin ohnehin für öffentlich-rechtliche Zeitungen, weil Nachrichten keine Ware sind.

    about 2 years ago lsanoj (Twitter) responded:
    1-_dsc0301_normal
    Wenn das Geschäftsmodell der entsprechenden Verleger durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefährdet ist, dann haben selbige wohl ganz andere Probleme mit ihren Produkten. Ich komme selbst ja nur sehr, sehr selten in den "Genuss" von Fernsehen, doch wenn, ist es nie ein Privatsender. Dankbar nehme ich doch das Angebot der Mediathek an. Was hier passiert, ist die Vernichtung von Wissen, das erinnert mich irgendwie ans Bücher verbrennen... Mit dem Nazivergleich beende ich hier nun, es gibt auch nicht viel mehr dazu zu sagen m(
    about 2 years ago issis (Twitter) responded:
    Inge-07-2011_normal
    Diesen Artikel möchte ich aus vollem Herzen unterschreiben. Der entscheidende Satz lautet doch, wie auch schon andere Kommentare andeuten: "Auch weil leider der private Rundfunk oder die Verlage nicht in der Lage sind (aus welchen Gründen auch immer), adäquaten Ersatz zu schaffen."
    Wertvolle Informationen werden gelöscht und nicht ersetzt. Sehenden Auges! Von uns auch noch bezahlt werden die Millionen, die dem Löschvorgang im 3-Stufentest vorausgehen. Eine Gegenaktion oder Aufschrei der Bevölkerung gibt es nicht, da sie von der schreibenden Presse des- oder gar nicht informiert wird.
    Ich frage mich die ganze Zeit, was man nur dagegen tun kann?
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